ME / CFS
36. Die Invalidenversicherung
IV   contra   Inselspital
März 2023
Wie ich oben schon schrieb, ist der Vorbescheid der IV für mich ziemlich unverständlich. Ich habe schon Mühe mit dem Blabla, das auf den Untertitel „Abklärungsergebnis” folgt. Da wird nämlich zuerst langfädig beschrieben, wie und aufgrund welcher Kriterien die Friedas und Fritzlis von der IV einen Kandidaten einschätzen. Erst nach 200 Wörtern kommt dann endlich das eigentliche „Ergebnis” in Form einer „zwanghaften Persönlichkeitsstörung” und eines „nicht ausgewiesenen Leidensdrucks.”
Ich muss gestehen, dass ich auch im Bericht des Inselspitals vieles nicht verstehe. Es hat einfach zuviele Fachbegriffe! Immerhin lässt sich feststellen, dass die Diagnose am Anfang des Berichts steht und nicht vorgängig mit allerlei Blabla garniert wird.
Es ist aufschlussreich, Passagen im IV-Vorbescheid mit solchen im Bericht der Insel zu vergleichen.
Invalidenversicherung
Mangels eines Gesundheitsschadens mit invalidisierender Wirkung im Rechtssinne besteht kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung.




Die Tatsache, dass Sie noch nie in psychiatrischer Behandlung standen und keine entsprechenden Medika-mente erhalten, spricht gegen einen ausgewiesenen Leidensdruck.




Sie nutzen nur Therapieoptionen, die Sie selbst als passend empfinden, nicht jene, die medizinisch indiziert wären.
Sie sind sozial eingebunden, unterhalten Kontakt zu Ihren Eltern und zwei Freunden. Sie machen in der Werkstatt Holzarbeiten. Zudem beschreiben die Gutachter einen athletischen Körperbau, was eine erhebliche Diskrepanz zu dem geschilderten Tagesablauf darstellt.


Sie verfügen über eine mehrjährige Berufsbildung, fahren Auto und werden von der Familie unterstützt. Gesamthaft sind dies genügend Ressourcen.





Inselspital
Diagnose:   Myalgische Encephalomyelitis /
chronic Fatigue Syndrom (ICD-10 G93.3)

Aufgrund der erfüllten klinischen Kriterien und der typischen Risikofaktoren kann die Symptomatik von XYZ im Rahmen einer myalgischen Encephalomyelitis / eines chronic Fatigue Syndroms (ME/CFS) zusammengefasst werden.
Chronische Stresseinwirkungen führen über eine Stimulation des Immunsystems zu neuro-physiologischen Veränderungen und entsprechenden Dysfunktionen. Entsprechend handelt es sich bei ME/CFS um eine neuroimmunologische Erkrankung, welche auch Auswirkungen auf das psychische Befinden haben kann, keinesfalls jedoch um eine psychische oder psychiatrische Erkrankung.
Zentrales Element der Behandlung ist - wie in den vorherigen Berichten beschrieben - das Pacing, die Anpassung der körperlichen, mentalen und sozialen Aktivitäten an die effektiven Möglichkeiten, deren Grenzen durch die Beschwerden gesetzt werden und die nicht nur respektiert, sondern unterschritten werden sollten.
Mit konsequentem Pacing hat XYZ bisher die besten Erfahrungen gemacht, und wir können XYZ dabei nur unterstützen.

Entsprechend ist der Verlauf bei XYZ typisch, indem der forcierte Wiedereinstieg in eine berufliche Tätigkeit zu einem erneuten Rückfall mit deutlich stärkerer Symptomatik und längerer Erholungszeit geführt hat.
Demnach müssten erneute Arbeitsversuche sehr niederschwellig und über einen langen Zeitraum
mit Steigerung nicht nach vorgegebenem Plan, sondern entsprechend den effektiven Möglichkeiten erfolgen.
Was sind eigentlich „medizinisch indizierte Therapieoptionen” ?
Die IV gibt keine Antwort; die Insel dagegen empfiehlt konsequentes Pacing.
„XYZ fährt Auto und macht Holzarbeiten.”
WAS beim Donnerwetter sollte denn XYZ den ganzen Tag machen? Wenn er schon mal eine „gute” Phase hat, sollte er da trotzdem in seiner Wohnung hocken und sein Schicksal bedauern? XYZ ist ein geschickter Hand-werker; so hat er den wunderschönen Esstisch in seiner Wohnung aus einer zufällig vorhandenen Holzplatte geschreinert.
Alexandra hat im Dezember 2022 eine Menge köstlicher Weihnachtsgüetzi gemacht. Den Teig stellte sie selber her, und die gebackenen Güetzi verzierte sie anschliessend noch. Der „Crash” wegen dieser Anstrengung folgte allerdings bald darauf.
„...dass Sie noch nie in psychiatrischer Behandlung standen...  ...spricht gegen einen ausgewiesenen Leidensdruck.”
Soll das ein Vorwurf sein? Was war zuerst, das Huhn oder das Ei? Was war zuerst, psychische Probleme oder ME/CFS? Wird XYZ zum Vorwurf gemacht, dass er noch nie einen Seelenklempner aufgesucht hat? Der hätte ihn von seinen vielfältigen Leiden auch nicht therapieren können.
„Sie sind sozial eingebunden...”
Haha. Die Frau von XYZ hatte zunehmend Mühe mit seiner Krankheit. Seit 2 Jahren sind sie geschieden.