ME / CFS
19. Finanzielle Situation
März 2023
Seit Alexandra an ME/CFS erkrankt ist, nimmt sie jede Menge Nahrungsergänzungsmittel zu sich. Diese muss sie selber berappen, denn die Krankenkassen halten sich da fein raus. Das geht für Alexandra mächtig ins Geld.

Übrigens:  Mein Augenarzt stellte letzten Sommer bei meinem „guten“ Auge kleine Ablagerungen auf der Netzhaut fest. Ich sehe halt seit klein auf hauptsächlich nur mit dem linken Auge; beim rechten Auge ist die Makula ausser Betrieb. Er empfahl mir deshalb ein spezielles Vitaminpräparat, das ich selber bezahlen muss, weil es eben als Nahrungsergänzung gilt und daher von der Krankenkasse nicht bezahlt wird. Ich muss also jeden Tag eine von mir bezahlte Vitaminpille fressen, um nicht irgendwann teilweise oder ganz zu erblinden. Ist doch lustig, gell!
Alexandra ist seit Herbst 2021 arbeitsunfähig. Zwar erhält sie noch ihre 70% von der Arbeitslosenversicherung, aber in den nächsten Monaten ist dann fertig lustig, und Alexandra wird ausgesteuert.
Ihre Mutter ist vor einigen Jahren gestorben. Alexandra hat deshalb Geld und eine Wohnung geerbt. Es ist deprimierend, den finanziellen und sozialen Abstieg von Alexandra und ihren Mitleidensgenossen in Form einer Tragödie zu beschreiben:
Finanzieller Abstieg in 4 Akten für ME/CFS-Patienten mit Vermögen und Wohneigentum
1. Akt: Arbeitend
Alexandra hatte bis Herbst 2021 eine Stelle als Verkäuferin und erhielt Lohn. Der war zwar nicht sehr hoch, aber damit konnte sie ihren Lebensunterhalt bestreiten und sogar noch etwas auf die Seite legen.
2. Akt: Arbeitslos
Im Herbst 2021 erkrankte Alexandra am Coronavirus. Die anfangs leichte Krankheit entwickelte sich dann zu Long Covid und später zu ME/CFS. Arbeiten war nicht mehr möglich; Alexandra bezieht seitdem Arbeitslosengeld.
Im Herbst 2022 war die Erbteilung endlich abgeschlossen, und Alexandra konnte ihr "Erbe" antreten. Sie trat es damit an, dass sie die Hypothek auf ihre geerbte Wohnung kaufen musste, da sie ja keine Anstellung und folglich kein sicheres Einkommen hat und folglich nicht hypothekenwürdig ist. Dadurch verringerte sich ihr geerbtes Vermögen drastisch.
3. Akt: Ausgesteuert
Mit der Aussteuerung endet Alexandras Anspruch auf Arbeitslosentschädigung. Sie kann aber noch nicht Sozialhilfe beantragen Zuerst wird sie ihr (noch) vorhandenes Vermögen aufbrauchen und schliesslich die Wohnung verkaufen müssen. Damit oder davon kann sie eine Zeitlang leben.
4. Akt: Endgültig ausgesteuert
Nachdem Alexandra ihr Vermögen aufgebraucht und die Wohnung verkauft hat, wird sie - erneut ausgesteuert - zur Wohngemeinde pilgern und Antrag für Sozialhilfe stellen müssen. Die wird sie dann vermutlich auch erhalten.
Für Personen ohne Vermögen und Immobilien verkürzt sich die Tragödie auf drei Akte.
Finanzieller Abstieg in 3 Akten für ME/CFS-Patienten ohne Vermögen und Wohneigentum
1. Akt: Arbeitend
Die Person XY abeitet und erhält Lohn.
2. Akt: Arbeitslos
XY erkrankt (aus welchen Gründen auch immer) an ME/CFS. Arbeiten ist nicht mehr möglich; XY bezieht Arbeitslosengeld.
3. Akt: Ausgesteuert
Mit der Aussteuerung endet der Anspruch von XY auf Arbeitslosentschädigung. XY muss daher zur Wohngemeinde pilgern und Antrag für Sozialhilfe stellen. Die wird XY dann vermutlich auch erhalten.
Moment mal, es gibt doch noch die IV, die Schweizerische Invalidenversicherung
Ja, ja, die gibt es tatsächlich. Lesen Sie auf der nächsten Seite, was die SVP und ihr alt Bundesrat Christoph Blocher zur Invaliden-versicherung, zu den Invaliden und zu den Scheininvaliden zu kolportieren hatten und haben und - so Gott will - in alle Ewigkeit haben werden.