ME / CFS
18. Vorurteile und Stigmatisierung
März 2023 / März 2025
Da ME/CFS schwierig zu diagnostizieren ist und sich nicht therapieren lässt, sehen sich Betroffene allerlei Vorurteilen ausgesetzt. Viele glauben, die Betroffenen würden simulieren oder hätten eine Depression oder andere psychische Probleme. Dazu kommt, dass mehrheitlich Frauen um die 30 oder älter an ME/CFS erkrankt sind.
Vorurteil: Mit gutgemeinten - aber kontraproduktiven - Aktivierungstechniken wird versucht, den Patienten auf Vordermann oder -frau zu bringen. Dabei verschlechtert sich der Gesundheitszustand nach dieser "Aktivierung", und die Betroffenen leiden unter einem tage- oder wochenlangen Crash.
Vorurteil: „Du hast vor allem psychische Probleme. Die führen bei dir zu einer tiefen Depression und damit zu einer derartigen Müdigkeit. Eine geeignete Psychotherapie wird dir auf die Beine helfen!” (Dabei ist es eher umgekehrt: Patienten, die an ME/CFS erkrankt sind, bekommen wegen der Hoffnungslosigkeit ihrer Lage mit der Zeit psychiche Probleme).
Vorurteil: „Ich glaube, dir geht es im Moment nicht so gut, deshalb simulierst du da irgendwas. Du sagst, ME/CFS sei die Abkürzung für ‘Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue Syndrom’. Also hallo und bitte schön, das ist ja ein unverständlicher Wortbandwurm. Ich glaube, diese Krankheit bildest du dir vor allem ein.”
Dritte offizielle Schweizerstudie über ME/CFS
Diese Studie verdeutlichte die tiefgreifenden Auswirkungen der zusätzlichen psychischen Belastung durch ME/CFS, die in erster Linie auf weit verbreitete Stigmatisierung, Unglauben, mangelndes Verständnis, unzureichende medizinische Unterstützung und begrenztes Krankheitsbewusstsein zurückzuführen sind.
Zusätzlich zu den anhaltenden körperlichen Belastungen haben die Patienten mit der historischen und namenbedingten Stigmatisierung der Erkrankung und ihrer Fehleinstufung als psychische Erkrankung zu kämpfen. Unsere Ergebnisse unterstützen zusätzlich die Annahme, dass komorbide Depressionen, die bei bestimmten ME/CFS-Patienten beobachtet werden, eine Folge der Krankheit sind und nicht, wie häufig fehldiagnostiziert, die Hauptursache für die Symptome des Patienten sind...
ME/CFS Schweiz
Stigmatisierung von ME/CFS und Post-COVID und ihre Auswirkungen
auf Qualität und Kosten der Gesundheitsversorgung
Nach einer SARS-CoV-2-Infektion leiden manche Menschen noch Wochen, Monate oder gar Jahre unter teils starken gesund-heitlichen Beschwerden. Die schwerste Form von Post COVID ist die Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-syndrom (ME/CFS), die z.B. auch infolge anderer Infektionen auftreten kann.
Viele Menschen mit ME/CFS und Post COVID-Syndrom erfahren im Alltag Stigmatisierung am Arbeitsplatz, im Bekanntenkreis oder in der Gesundheitsversorgung. Diese Stigmatisierung beeinträchtigt die Lebensqualität und die Selbstakzeptanz von Betroffenen und wirkt sich nachteilig auf die Qualität und die Kosten der Gesundheitsversorgung aus. Die Auswirkungen dieser Stigmatisierung sind zu wenig untersucht, um Maßnahmen zur Reduzierung der Stigmatisierung und Förderung der Gesundheitsversorgung zu entwickeln...
Bundesministerium für Gesundheit, Deutschland