Montag 5. und Dienstag 6. Oktober
Lake Mead - Las Vegas
Am Vorabend wehte ein kräftiger Wind durch die Virgin River Gorge, der das Kochen auf unserem
praktischen
Coleman Stove verunmöglichte. Wir mussten uns deshalb mit
einem karg-kalten Picknick zufriedengeben.
Um ca. 22 Uhr trudelten dann noch Jeff und Sohn Hunter ein, die an diesem Tag
einen mehrstündigen Hike absolviert hatten. Jeff ärgerte sich über das vom Wind umgeblasene
Zeit und richtete in seinem Auto ein provisorisches Nachtlager für sich und seinen Sohn ein.
Wir kochen deshalb heute morgen unser opulentes Swiss-American-Breakfast:
Fette Speckscheiben brutzeln in der zugedeckten Pfanne, bis sie schön kross sind; im ausgelassenen
Speckfett werden anschliessend die Spiegeleier gebraten und mit geschmolzenem Käse garniert...
eine überaus wohlschmeckende Kalorienbombe! Dazu laden wir Jeff und Hunter ein.
Nach dem Frühstück spiele ich mit Hunter: Dieser flitzt mit seinem Mini-Fahrrad über den Zeltplatz
und schreit dauernd "Get me... Get me...". Ich alter K(n)acker muss ihm derweil nachrennen
und ihn einzuholen versuchen. Meine geteerte Lunge protestiert bei diesem Spiel
keuchen und rasselnd...
Anschliessend fahren wir auf der Interstate durch die Virgin River Gorge und verlieren
dabei kräftig an Höhe. Nördlich des Highways liegt die einsame
Beaver Dam Mountains Wilderness.
Ein (verbotener) Stopp am Rand der Autobahn erlaubt uns, diese
rauhe und harsche Gegend in Ruhe bewundern zu können.
Später fahren wir zur Schlucht hinaus, dümpeln durch das Wüstenkaff
Littlefield und nehmen schliesslich die Abzweigung zur wilden
Lake Mead NRA.
Am Nordufer des gleichnamigen Stausees führt die gut unterhaltene S-169 durch eine der wildesten,
schroffsten und gleichzeitig faszinierendsten Gegenden der USA.
Am Ende des Lake Mead bewundern wir gebührend den Staudamm (über den die US-93 führt!)
und den im Bau befindlichen Riesen-Viadukt, der den so zeitraubenden Umweg der
US-93 dereinst (wanneinst wohl?) in schwindelnder Höhe ungehen wird. Hoffen wir mal,
dass ein kräftiges Erdbeben im gar nicht so fernen Südkalifornien diesen Superviadukt
dereinst nicht durchschütteln wird...
Ja, und dann kurven wir halt nach Las Vegas und machen dort, was man dort halt so macht.
Der Magen wird gefüllt, der Geldbeutel wird geleert, das Hirn wird ausgeschaltet,
und der Solarplexus erhält die wichtigsten Körperfunktionen aufrecht...
Der Rest ist schnell erzählt:
Wir fahren also in Las Vegas ein, drehen eine Ehrenrunde auf dem Strip, gehen dann ins
Luxor und erhalten ein einigermassen erschwingliches Luxuszimmer im 18. Stock Ostseite
(ist gut für den Sonnenaufgang).
Dann tun wir allergattig: Wir spielen... essen.... trinken...
rauchen... bummeln... trinken... spielen... rauchen... verlieren... schimpfen... fluchen (fast)...
saufen... torkeln... rauchen... schlafen ein bisschen... spielen wieder... ... ... ... ...
Tags darauf flanieren wir ein bisschen dem Strip entlang... shoppen...
lassen uns von der Menge treiben... rauchen... trinken... schwitzen... shoppen... trinken...
leiden...
Das sind so die Hauptbeschäftigungen in Las Vegas... auch bekannt unter dem Namen
Mafiacittà...
Sin City... American Babylon...
Ich wette, dass denen der liebe Gott oder Allah oder Jehova oder der grosse Geist oder ganz
einfach die Natur in spätestens 50 Jahren den Wasserhahn zudreht und die Stadt allmählich
verschwinden beziehungsweise versanden lässt...
Halleluja!!! Allah-u-akbar!!! Hosianna!!!
Die Frage ist:
Muss i denn zum Städtele hinaus?
Die Antwort lautet:
Ja, i muss, i muss...
(Zum Glück mit meinem Schatz)
Wir fahren am späteren Nachmittag ins Death Valley und kommen in finsterer Nacht auf dem
Campground an. Zwei Damen aus dem Kanton Aargau erzählen uns begeistert von ihren bisherigen
Reiseerlebnissen. Miguel (fetter Mexikaner) und Gayle (schlanke Japanerin) wohnen
in Sacramento und geniessen in andächtiger Ruhe das Lagerfeuer.
Mit der Ruhe ist es allerdings bald vorbei: Ich gehe mit dem Whisky zu Gayle und Miguel; zu viert
feiern wir zunehmend lärmender eine stehende Whiskyparty.

