In einer kürzlich veröffentlichten Studie der Charité Berlin (Mitautorin Prof. Dr. med. Carmen Scheibenbogen) wurde belegt, dass auch
COVID-19 ein Auslöser von Myalgischer Enzephalo-myelitis/Chronic Fatigue Syndrome (ME/CFS) ist. Was bereits vermutet wurde, ist nun also
Gewissheit, und die Fälle von ME/CFS dürften in den nächsten Monaten und Jahren steigen.
Wie viele ME/CFS Patientinnen und Patienten es in der Schweiz zurzeit gibt, ist nicht bekannt. Schätzungen gehen von 24 000 Betroffenen in der
Schweiz aus. Es gibt zurzeit weder validierte Tests zur Bestätigung oder Ausschluss von ME/CFS noch eine Therapie. Obwohl CFS seit 1969 eine
ICD-Nummer hat und unter "Neurologischen Krankheiten" mit der Nummer G-93.3 erfasst ist, wird sie häufig nicht anerkannt und weitestgehend ignoriert.
1. Wie schätzen der Bundesrat und das Bundesamt für Gesundheit die Situation von ME/CFS Betroffenen in der Schweiz ein?
2. ME/CFS wird von der IV häufig nicht anerkannt, dies aufgrund von fehlender Information und fehlender Sensibilisierung der Ärzteschaft und
Gutachter. Was gedenkt der Bundesrat zur Verbesserung der Stellung von ME/CFS Patientinnen und Patienten gegenüber der IV zu tun?
3. Oft wird erst nach mehrjähriger diagnostischer und therapeutischer Odyssee die richtige Diagnose gestellt. Wie gedenkt der Bundesrat
diesen Missstand in der Diagnostik und bei der Forschung von ME/CFS zu beheben?
4. Von ME/CFS sind zahlreiche Menschen betroffen, beispielsweise mehr als von MS. Dennoch gibt es kaum Kompetenzzentren, und eine
Aufklärung der Bevölkerung, Spitäler, Ärzteschaft und Apotheken findet nicht statt. Wie, bis wann und mit welchen Mitteln will der
Bundesrat sicherstellen, dass die Betroffenen die nötige Unterstützung erhalten und die Fachpersonen richtig informiert werden?
5. Verfügt der Bundesrat über Informationen, wie in der EU mit dem Thema ME/CFS umgegangen wird und wie viele Gelder für Forschung,
Diagnostik, Therapie gesprochen werden? Wie sieht die rechtliche Situation der Betroffenen aus?