Marianna und ich verbrachten letzten Herbst wunderschöne Tage im Westen der USA.
Wir erkundeten autofahrend landschaftlich wunderschöne, manchmal auch bizarre und einsame Gegenden
und unternahmen zahlreiche Wanderungen. Des Abends fanden wir uns wo möglich auf einem der vielen
öffentlichen Campgrounds ein und genossen Bier, Steak, Lagerfeuer, die Stille, den glitzernden
Sternenhimmel und manchmal sogar die Kälte. Geschlafen wurde im gemieteten Geländewagen -
eine preiswerte Alternative zu den Motorhomes - in dem wir sowohl wilde "Dirt Roads" wie auch die
"Strassen von San Francisco" gleichermassen stilvoll befahren konnten.
So eine USA-Reise kann manchmal recht beschaulich und (scheinbar) etwas langweilig verlaufen;
jeder Tag gleicht dem anderen:
Erwachen und Aufstehen
Frühstücken
Zusammenpacken
Autofahren
Wandern oder Besichtigen
Weiterfahren
Einen Campground suchen
Auf selbigem einrichten
Abendritual
Gesegneter Schlaf
Aus diesem Grunde verzichte ich auf das sonst übliche Reise-Tagebuch und beschränke
mich auf die Präsentation einiger besonders gut gelungener Bilder.
Es soll nicht verschwiegen werden, dass unsere Reise dieses Mal etwas getrübt wurde. Zu Beginn vertrieb
uns sintflutartiger Regen (in der Gegend um Boulder waren sogar einige Tote zu beklagen) aus Colorado;
wir flohen nach Utah und erhofften uns besseres Wetter. Aber auch dort regnete es gewaltig
und wurden die Naturstrassen - die wir eigentlich hätten befahren wollen, um zu diesem Canyon oder
jenem Berg zu gelangen - zu schlammstarrenden und völlig unbefahrbaren "Mud Roads".
Als wir weiter westwärts fuhren, überraschte uns ein früher Wintereinbruch in der Sierra Nevada; nur mit
viel Glück gelang es uns, über den Tioga Pass zu fahren. Schnee und Nebel vertrieb uns auch aus Oregon,
wo wir doch so viele Gegenden hätten erkunden und erwandern wollen.
Ende September mutierte der amerikanische Kongress - zumindest der republikanische Teil - zum Kindergarten.
Als Folge wurden im "Governemental Shutdown" das Land auf Sparflamme gesetzt. Alle National Parks,
National Monuments und weiteren National Areas wurden geschlossen, die Eingänge mit mehrheitlich
unüberwindbaren Gattern vermacht und ein grosser Teil der Campgrounds ebenfalls geschlossen.
Drei Wochen dauerte dieser Shutdown. ALLES WAR LEER, STILL UND TOT - UND DAS
IM REICHSTEN LAND DER ERDE!, wobei wenigstens einige verantwortungsvolle Staaten wie Utah und
Arizona einen Teil der Kosten übernahmen und einige Parks vorübergehend öffneten.
Sie können sich nicht vorstellen, was da geflucht, geschimpft und gelästert wurde - sowohl von
Ausländern (die konnten ja nichts dafür) wie von Amerikanern (die konnten als Wahlberechtige
durchaus etwas dafür).
Wir unsererseits machten das Beste daraus: Eines Nachmittags drangen wir widerrechtlich in einen
Campground ein und verbrachten dort eine lauschige Nacht mit einigem Koyotengeheul. Ein andermal
campierten wir direkt vor dem Südeingang zum Joshua Tree National Park und wurden um 21 Uhr von
der Border Patrol geweckt, die irgendwelchen illegalen Mexikanern nachjagte; dabei mussten wir uns -
obwohl Ausländer - nicht einmal ausweisen. Dann waren wir die einzigen (nichtzahlenden) Gäste auf
einem gepflegten Campground in der Anza Borrego Desert oder übernachteten auch mal irgendwo.
Kurz, wir waren leicht in die illegale Zone geschlittert und konnten diesem Zustand sogar einige
Vorteile wie zum Beispiel einige kostenlose Übernachtungen oder wochenlang ruhigen Verkehr -
ruhig, da die Motorhomes und Trailers weitgehend von den Highways verschwanden - abringen.
Trotzdem, es ist eine Schweinerei, was sich Amerika da geleistet hat. Ich diskutierte mal mit einem
Ami über diese desolate Lage und bezeichnete die USA als Drittweltland. Erstaunlicherweise
verteidigte mein Gesprächspartner sein Land und bezeichnete es als Zweitweltland (haha).
Und wie wenn das noch nicht genug wäre, blockierten heftige Sandtstürme im Süden von Kalifornien
und in Arizona tagelang unsere Reisepläne. Die Sicht betrug manchmal nur wenige Meter. Eines
Tages empfahlen die Behörden sogar, die Interstate von Tucson nach Phoenix nicht zu befahren,
da die Sicht gleich Null sei. Wobei sich die Wenigsten an diese Empfehlung hielten...
Aber man soll nicht nur jammern, denn die letzen zwei Wochen unserer Reise waren wieder von schönstem
Wetter geprägt. Die National Parks und Campgrounds waren wieder offen, und wir unternahmen
zahlreiche Wanderungen durch lauschige Canyons und entlang rauschender Bäche. Unvergesslich bleiben
auch die vielen Begegnungen mit Amerikanern und Ausländern, die wir auf Zeltplätzen, in Restaurants
oder auch in der Natur erfahren durften.

